Deutschland und die Welt

Reinhard Pohl: Südafrika.

2020, 48 Seiten, 2 Euro
978-3-925900-69-3

Jahrelang war Südafrika ein ständiges Thema in der internationalen Politik: Die Regierung propagierte die Apartheid, die „Raßentrennung“, mit einer brutalen Diskriminierung und Unterdrückung der großen Mehrheit der Bevölkerung. Hunderttausende wurde jedes Jahr verhaftet, Tausende erschoßen. International war die Regierung geächtet und mit Sanktionen belegt, fand aber nicht nur in den USA oder Großbritannien, sondern auch in Deutschland Unterstützung auf höchster Ebene.
Seit 1994 ist alles anders. Nelson Mandela wurde aus der Haft entlaßen, wurde Präsident und definierte Südafrika neu als „Regenbogen-Nation“. Mit diesem Wechsel gab es große Hoffnungen.
Viele dieser Hoffnungen wurden erfüllt. Die Apartheid wurde abgeschafft, ohne daß Südafrika zusammenbrach. Die Wirtschaft wurde von den diskriminierenden Gesetzen befreit, konnte aber weiter arbeiten. Es gab keine große Auswanderung der Weißen.
Es gab aber auch Enttäuschungen. Die Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen haben dazu geführt, daß viele Behörden schlechter arbeiten, weil Leitungsposten nach Hautfarbe besetzt werden, auch wenn die Qualifikation nicht reicht. Die Regierungspartei, die ehemalige Befreiungsbewegung ANC, bekommt die Korruption nicht in den Griff, viele Aufträge und Positionen werden innerhalb der Partei verschoben. Und der Wohlstand des Landes wurde nur wenig gerechter verteilt, einige ANC-Funktionäre sind einfach zur Oberschicht dazu gekommen. Für die breite Maße der Bevölkerung dauert es viel zu lange, bis die Versorgung mit Wohnungen und Häusern, Gesundheit und Bildung, Einkommen und Infrastruktur den Möglichkeiten des Landes entspricht.
Gleichzeitig verbreiten sich Kriminalität und Krankheiten, vor allem AIDS, unerwartet stark.
Vieles ist also beßer geworden, aber nichts ist ideal. Dennoch lohnt sich die aktuelle Blick, denn viele in Deutschland haben sich jahrelang gegen Apartheid engagiert und sollten auch schauen, was dreißig Jahre später aus dem Land geworden ist. Denn Südafrika ist eben nicht ein beliebiges Land, es ist eine der stärksten Wirtschaftsnationen des Kontinents und könnte viele Nachbarländer bei positiven Entwicklungen mitziehen.


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